der umgang mit verlorenen ansprüchen

Liebes 8 Weapons,

dieser Text ist ein Apell,in dem Situationen und Versäumnisse der letzten Jahre aufgezeigt werden, die uns wütend und traurig machen. Die dazu führen, dass wir uns unwohl fühlen, wenn wir im Gym trainieren oder gar wieder nach Hause gehen. Versäumnisse dahingehend, dass wir, obwohl wir so hart trainieren, uns kaum verbessern. Situationen, in denen wir versuchen unsere Stimme zu heben, jedoch als Mitglieder nicht gehört werden.

Realität vs. Illusion

Seit einigen Jahren habt Ihr in Leipzig einen besonderen Stellenwert als linkes Gym. Das hat euch nicht nur einige Mitglieder verschafft, sondern auch ne Menge Solidarität wenn die Kacke mal am dampfen war. Und auch einen Haufen an Soligeldern.

In den meisten Städten Deutschland gibt es “sie”, diese linken Gyms, die auf unterschiedlichen Ebenen versuchen den als unpolitisch gesehenen Kampfsport mit linken Inhalten zu besetzen. Und immer wieder trifft Realität und Illusion aufeinander, Widersprüche ploppen auf, Kritik und Diskussion sind das Ergebnis.

Und das ist aber auch okay. Es ist okay, dass TrainerInnen, Coaches, WettkämpferInnen und Gyms als solche Fehler machen, diese aufarbeiten und im besten Fall daraus lernen. Zumindestens wäre das der erwünschte Prozess.

Und auch wir als trainigskonsumierende linke Personen, können mit diesen Widersprüchen bis zu einem gewissen Punkt umgehen und uns arrangieren, da wir verstehen, wie schwer es manchmal sein kann klaren Linien zu folgen, vor allem wenn der Kampfsport in eine professionalisierte Richtung gehen soll.

Aber Verständnis und Loyalität haben auch Grenzen. Teile des 8 Weapons, explizit möchten wir aus TrainerInnen, Beirat und Vorstand keine homogene Masse erschaffen, wären schon längst am Zugzwang gewesen, zu beweisen (!), dass es neben dem sportlichen Angebot auch mehr gibt, nämlich Inhalt und Solidarität.

Kampfsport ist Männersache…

Angefangen bei Situationen im Training, wo sich Trainer mit FLINT Personen entsolidarisieren in unangenehmen Situationen ¹, bishin zu FLINT Personen, die seit jeher im Training nicht gesehen werden, da die Männer der Wettkampfgruppe alle Aufmerksamkeit bekommen. Einem Coach, der auf einer Sitzung den Raum verlässt und Fotzen murmelt. Ein Wettkämpfer/Trainer, der die Augen verdreht, wenn er von der Matte muss wenn das  FLINT Training stattfindet. Trainer, die privat über “die fette die zum boxen kommt” sprechen. FLINT Personen, die Wettkämpfe machen (wollen), jedoch nicht vorbereitet werden.

Sollen wir noch weitere Beispiele bringen?

FLINT Personen werden strukturell benachteiligt im 8W. Jedoch weil “wir” gelernt haben, mit jeder Scheisse die uns wiederfährt umzugehen, arrangieren “wir” uns halt irgendwie mit der Situation. Und vor allem arrangieren wir uns mit der Situation auch, weil es in Leipzig nur ein kleines Angebot gibt, in denen Muay Thai oder Boxen trainiert werden kann, ohne sich die Matte mit PolizistInnen oder Nazis zu teilen.

Nächster Punkt. Polizei und Nazis.

Das 8 Weapons hat klar formuliert, dass Personen anhand ihrer Berufsgruppe nicht systematisch ausgeschlossen werden können. Das ist eine inhaltliche Debatte an der wir, Mitglieder, kaum rütteln koennen, da der Vorstand so beschlossen hat.

Als Konsequenz kann daraus nur gezogen werden, die Trainings, die PolizistInnen konsumieren (vor allem BJJ) zu meiden.

Ein schwieriges Bild entsteht jedoch, wenn Trainer sich solidarisch mit der Polizei zeigen und das auch mittels eines T-shirts auch nach Aussen tragen: “Blue lives matter”.  ²

Wir werden nicht weiter inhaltlich auf Kritik an dem T-shirt eingehen, möchten jedoch festhalten, dass das nicht der erste rassistische Vorfall in der BJJ Gruppe war.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass das 8 Weapons Raum für Männer ist,egal ob Polizei oder nicht, und als Sahnehäubchen wird das mit dem Antifaschismus auch nicht ganz so Ernst genommen.

  • ……………….

Es bleibt… die fehlende Integrität

Es gab und gibt noch immer etliche inhaltliche Debatten im und rund um das 8 Weapons, Personen die sich organisiert, gekämpft, diskutiert haben, aber auch einige, die aufgegeben haben.

Für uns AntifaschistInnen und FeministInnen muss es in Leipzig ein Gym geben, das wir als unseren Raum deklarieren können und in dem wir uns sicher fühlen. Nicht nur vor Männer und Anfeindungen derer. Einen Raum, in dem wir Ernst genommen werden. Uns auch sicher davor fühlen, dass wir uns mittels Kampfsport selbstermächtigen können, ohne dass PolizistInnen und Personen, die offen mit Nazis kollaborieren oder sich den Ring/die Matte teilen, Zugang zu unseren Räumen haben.

Das kann das 8 Weapons nicht mehr leisten, und zwar bewusst hingenommen und teilweise sogar gefördert.

Expliziter Dank nochmal an den Beirat, der bis zuletzt (vor Corona) versucht hat zwischen Bedürfnissen der Mitglieder und Vorstand/TrainerInnen zu vermitteln und  Inhalte zu transportieren – wir von seiten des Vorstands jedoch den Eindruck hatten, dass der Beirat mehr belächelt als Ernst genommen wird.

 Fazit 

Wir fordern TrainerInnen auf, die mit einer klaren antifaschistischen und feministischen Grundhaltung nicht im Konsens stehen, ihre Position aufzugeben und Platz für andere zu machen. 

Und wenn das nicht umgesetzt wird, fordern wir alle Mitglieder auf, ihre Verträge zu kündigen.

 

 ¹Hierbei ging es um eine Situation im Training, als eine Frau von einem Mann nicht Ernst genommen wurde, es vokalisiert hat und ein Streit entstand. Der Trainer hat sich eingemischt, hat zuerst dem Typen zur Situation befragt, dann seine Meinung formuliert und dann der Frau eine Stimme gegeben. Hinterher hat sich der Trainer jedoch bei dem Typen entschuldigt.

 

 ² https://en.wikipedia.org/wiki/Blue_Lives_Matter

 https://en.wikipedia.org/wiki/Black_Lives_Matter

 

 

 


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